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Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erlaubt seit 1.1.2017 die Nutzung von Lang-LKW auf bestimmten Strecken und unter strengen Regeln
Der Lang-LKW im Regeleinsatz beginnt – endlich!
Der Verkehrsausschuss der IHK Gera hat sich dankenswerter Weise an das Thema Lang-LKW gewagt und zu einem Meinungsaustausch gebeten. In der Vergangenheit ein Tabu-Thema, schließlich ist die auf Unwissenheit und Falschinformationen beruhende Ablehnung dieser Fahrzeuge bei unseren Menschen weit verbreitet. Unter Teilnahme von u.a. Verkehrsbetrieben, der IHKn Suhl und Erfurt, aber auch von Verkehrspolitikern aus Bund und Land sowie von Forschungseinrichtungen fand eine offene, sehr sachliche, konstruktive Debatte statt. Ich durfte als Vertreter der EU von meinen Erfahrungen im Umgang mit der Richtlinie EU 96/53 und deren Überarbeitung, die im Mai dieses Jahres in Kraft tritt, berichten. Diese Richtlinie regelt europaweit die maximal zulässigen Abmessungen und Gewichte von LKW einschließlich der Kontrollpflichten der Mitgliedstaaten.
Nach der Vorstellung der Ergebnisse des wissenschaftlich begleiteten Feldversuches mit Lang-LKW in verschiedenen deutschen Bundesländern (2012 bis 2016) begrüßten alle Anwesenden die Entscheidung der Bundesregierung, den gewerblichen Transport mit eben diesen Fahrzeugen im Regelbetrieb auf einem festen “Positivnetz“ von Straßen und unter Einhaltung strenger Regeln für Fahrzeuge und Fahrer zuzulassen. Davon, das nachgewiesener Maßen durch den begrenzten Einsatz diese Fahrzeuge weder eine Rückverlagerung des Transportes von Waren von der Schiene auf die Straße stattfindet, noch von ihnen eine höhere Gefährdung der Straßenverkehrssicherheit ausgeht und sie auch zu keiner höheren Beanspruchung der Infrastruktur führen, waren selbst die Vertreter der Grünen und der Linken des Thüringer Landtages überrascht. So gab es selbst aus deren Sicht keinen Widerspruch. Die Vorteile für Umwelt, Verkehrsaufkommen und Transporteffizienz überzeugten. Das Problem der generell fehlenden LKW-Parkplätze wird auch durch Lang-LKW nicht gelöst, aber auch nicht signifikant verschärft. Die Baulastträger der Infrastrukturen sind bei der Entschärfung der Situation gefragt. Der vorhandene Mangel an Fahrern wird durch den Einsatz der Lang-LKW entschärft.
Meine positive Einstellung zu Lang-LKW, die auch aus der gemeinsamen Betreuung einer Diplomarbeit zu Vor- und Nachteilen des Einsatzes dieser Fahrzeuge mit der FH Erfurt resultiert, hat sich bestätigt. Dabei ist im Vorfeld so unendlich viel Angst vor der Nutzung dieser LKW geschürt worden.

Nun will ich mich erneut dafür einsetzen, dass Lang-LKW nicht an Deutschlands Grenzen Halt machen müssen. Ihre grenzüberschreitende Anwendung erscheint mir logisch zu sein, sie in zwei aneinander grenzenden Ländern bzw. Regionen zugelassen sind. Solange wir jedoch keine generelle Zulassung der Lang-LKW in der EU haben, empfehle ich der Bundesregierung bilaterale Abkommen mit den Nachbarländern, die Lang-LKW bereits zulassen, abzuschließen.
Ich danke der IHK Gera, insbesondere deren Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Herrn Beiersdörfer, für das Engagement.


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